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Krebszellen weisen im Gegensatz zu normalen Zellen einige Unterschiede auf. Sie wachsen ungebremst, wirken zerstörend auf umliegendes Gewebe und reagieren nicht mehr auf wachstumshemmende Signale des Körpers. Viele Krebszellen stellen ihren Stoffwechsel um und gewinnen Energie auf eine andere Weise als gesunde Zellen: statt Zucker zu verbrennen, vergären sie ihn.

Vor mehr als 80 Jahren entwickelte der Biochemiker und Arzt Otto Warburg die These, dass die veränderte Energiegewinnung maßgeblich an der Entstehung von Krebs beteiligt ist. Dieser Zucker-Abbau-Weg hat den entscheidenden Vorteile für den Tumor, dass Wachstum unter sauerstoffarmen Bedingungen möglich wird. Die Aktivität eines Enzyms (genannt TKTL1-Enzym) und der damit verbundene Vergärungsstoffwechsel tragen dazu bei, dass Krebszellen aggressiv werden, in andere Gewebe einwandern und Metastasen bilden. Mit dem Anschalten der Vergärung entstehen gleichzeitig Resistenzen gegenüber vielen Chemotherapeutika. Diese Erkenntnisse führten zu der Idee, über die Reduzierung der Zuckerzufuhr entartete Zellen in ihrer Energiegewinnung zu beeinträchtigen. Aus diesem Grund wird Krebspatienten häufig eine ketogene Diät empfohlen.Hierunter versteht man eine sehr kohlenhydratarme, dafür aber fettreiche Kost, die eine Umstellung des Energiestoffwechsels im Körper zur Folge hat. In der klassischen ketogenen Diät sind maximal vier Prozent Kohlenhydrate oder etwa 20 Gramm pro Tag erlaubt. Zum Vergleich: Normalerweise wird Erwachsenen empfohlen, über Kohlenhydrate circa 50 Prozent des täglichen Gesamtenergiebedarfs zu decken. Des Weiteren erlaubt die ketogene Diät etwa sechs bis acht Prozent Eiweiß und knapp 90 Prozent Fett. Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln und Zucker sind tabu. Dafür kommen fetter Fisch, Fleisch, Wurst, Eier und kohlenhydratarmes Gemüse wie Zucchini, Gurke und Brokkoli auf den Teller.

Wegen des hohen Fruchtzuckergehalts steht Obst nur sehr selten und in geringen Mengen auf dem Speiseplan. Da jedoch ein gewisse Teil an Zucker über die Leber immer wieder neu gebildet werden kann, ist die Diät allein nicht immer erfolgreich. Ein neuer Ansatz bringt der Einfachzucker D-Mannose. Vielen bereits als wirksames Mittel gegen Harnwegsentzündungen bekannt, rückt er nun auch bei Krebs in den Vordergrund. D-Mannose ist in der Lage über den gleichen Weg in die Zellen zu gelangen wie der herkömmliche Zucker Glucose. D-Mannose liefert jedoch keine Energie, sondern bildet in den Zellen eine Verbindung, die Krebszellen schadet. Bisher wurde dieser Effekt nur an Mäusen mit Krebs nachgewiesen. Das Tumorwachstum konnte bei diesen Tieren erfolgreich verlangsamt werden (Zeitschrift „Nature“ 2018). Leider war diese Wirkung nicht bei allen Tumorarten gleich. Der nächste Schritt der Forscher besteht nun darin, D- Mannose so zuzuführen, dass eine Chemotherapie in der Wirkung verbessert werden kann.

Ihre Sabine Vollwerth (Apothekerin)