Unser Darm ist über die Darm-Hirn-Achse direkt mit unserem Gehirn verknüpft. Stellen Sie sich die Darm-Hirn-Achse wie eine Autobahn vor. Die wichtigste Verbindung ist der Vagusnerv. Er ist die zentrale Schnittstelle für den Informationsaustausch zwischen dem zentralen Nervensystem im Kopf und dem Nervensystem in Ihrem Darm. Das Spannende dabei: Die Kommunikation ist keine Einbahnstraße! Tatsächlich verlaufen etwa 80 bis 90 % der Nervenfasern von unten nach oben – also vom Darm zum Gehirn. Ihr Darm „berichtet“ Ihrem Kopf also ständig, wie es ihm geht. Wenn dort durch Fehlernährung oder Stress eine Dysbiose (ein Ungleichgewicht der Bakterien) herrscht, sendet Ihr Bauch ununterbrochen Alarmsignale an das Gehirn. Doch was passiert im Gehirn, wenn es im Darm zu Problemen kommt?

Bei Verdauungsstörungen entstehen Gärungs- und Fäulnisprozesse. Dabei werden toxische Gase und Stoffwechselprodukte wie Ammoniak oder biogene Amine frei, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Das Ergebnis ist oft eine „innere Narkose“: Sie fühlen sich benommen, müde und klagen über besagten „Nebel im Kopf“. Da die Vorstufen für Serotonin (unser Wohlfühlhormon) und Melatonin (unser Schlafhormon) in unserem Darm gebildet werden, kann eine gestörte Darmflora diesen Stoffwechsel beeinträchtigen. Die Folgen sind depressive Verstimmungen, Angstgefühle und Schlafstörungen. Studien zeigen heute enge Zusammenhänge zwischen Darmproblemen und Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie oder sogar neurodegenerativen Prozessen wie Alzheimer. Zusätzlich kann eine „stille Entzündung“ im Darm auftreten. Diese ist wie ein schwelendes „Feuer“, das – anders als eine akute Entzündung – oft ohne Rötung, Schwellung oder akuten Schmerz abläuft, aber dennoch die Grundlage für viele chronische Erkrankungen bildet.

Die Ursache ist häufig eine gestörte Barriere (Leaky-Gut-Syndrom): Normalerweise sorgen die sogenannten Tight Junctions (Verschlussleisten zwischen den Darm-Zellen) dafür, dass die Darmwand dicht bleibt. Werden diese durch Stress, Fehlernährung, Medikamente oder Gifte geschädigt, verliert die Barriere ihre Integrität. Eine stille Entzündung bleibt oft nicht auf den Darm begrenzt. Bakterienteile können ungehindert in den Blutkreislauf gelangen und können systemische Entzündungen auslösen, die letztlich auch die Blut-Hirn-Schranke schwächen können. Wenn Sie sich oft geistig erschöpft fühlen, lohnt es sich, nicht nur den Kopf ärztlich abklären zu lassen, sondern auch den Bauch unter die Lupe zu nehmen.

Wir beraten Sie gerne! Ihre Sabine Vollwerth (Apothekerin) und Team