Viele Frauen kennen das Gefühl: Die Ernährung hat sich kaum verändert, der Appetit ist derselbe geblieben – und trotzdem zeigt die Waage mit jedem Jahr ein bisschen mehr an. Besonders in und nach den Wechseljahren scheint der Körper plötzlich eigene Regeln aufzustellen.
Dahinter steckt kein persönliches Versagen, sondern ein veränderter Stoffwechsel, der eng mit Hormonen, Energieverwertung und Stress zusammenhängt. Mit Beginn der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel. Dieses Hormon hat jedoch lange Zeit dabei geholfen, Energie effizient zu nutzen und Fett gleichmäßiger zu verteilen. Fällt diese Unterstützung weg, verbraucht der Körper im Ruhezustand weniger Kalorien als früher. Das bedeutet: Selbst wenn Hunger und Essmenge gleich bleiben, entsteht leichter ein Energieüberschuss, der als Fett gespeichert wird – bevorzugt am Bauch. Der Körper wird sparsamer, ohne uns darüber zu informieren. Das Tückische daran ist, dass sich das Hungergefühl kaum anpasst. Viele Frauen essen intuitiv genauso wie mit 40, obwohl der Körper mit 50 oder 60 weniger Energie benötigt. Der Appetit folgt alten hormonellen Signalen, während der Kalorienverbrauch bereits gesunken ist. Diese Lücke zwischen Bedarf und Hunger ist einer der Hauptgründe für die schleichende Gewichtszunahme in dieser Lebensphase. Zusätzlich spielt Stress eine größere Rolle als vielen bewusst ist. Chronischer Stress erhöht den Spiegel des Hormons Cortisol. Dieses Hormon sorgt dafür, dass vermehrt Zucker ins Blut gelangt, um den Körper leistungsfähig zu halten. Wird diese Energie nicht durch Bewegung verbraucht, fördert Cortisol die Fettspeicherung, insbesondere im Bauchbereich. Gleichzeitig kann Stress andere Hormone weiter aus dem Gleichgewicht bringen, den Schlaf verschlechtern und Heißhunger begünstigen – ein Kreislauf, der den Stoffwechsel weiter belastet.
Gerade deshalb gewinnt die Ernährung in den Wechseljahren an Bedeutung. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabiler zu halten und starke Insulinausschüttungen zu vermeiden. Weniger Insulin bedeutet, dass der Körper leichter auf gespeicherte Fettreserven zurückgreifen kann. Viele Frauen berichten, dass sie sich mit weniger Zucker und Weißmehl nicht nur leichter, sondern auch länger satt fühlen. Mindestens genauso wichtig ist Bewegung, insbesondere der gezielte Aufbau von Muskeln. Muskelgewebe verbraucht selbst im Ruhezustand mehr Energie als Fettgewebe. Wer Muskeln erhält oder aufbaut, erhöht damit den täglichen Kalorienverbrauch ganz automatisch. Krafttraining oder muskelkräftigende Sportarten sind daher kein Luxus, sondern eine wirksame Stoffwechselmedizin. Gleichzeitig hilft Bewegung, Stresshormone abzubauen und das hormonelle Gleichgewicht zu unterstützen. Die Gewichtszunahme in den Wechseljahren ist also kein unausweichliches Schicksal, sondern ein Signal des Körpers, dass sich seine inneren Abläufe verändert haben. Wer versteht, warum der Stoffwechsel langsamer wird, der Hunger gleich bleibt und Stress zusätzlichen Druck macht, kann gezielt gegensteuern – mit angepasster Ernährung, mehr Muskelarbeit und einem achtsamen Umgang mit den eigenen Energiereserven.
Ihre Sabine Vollwerth (Apothekerin) und Team


